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Nichts ahnend starten Sie ihren Computer. Noch bevor Sie irgendetwas tun können steht folgende Nachrichte der Bundespolizei auf ihrem Bildschirm: „Das Betriebssystem wurde im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Gesetze der Bundesrepublik Austria gesperrt“. Ihnen werden verschiedenste Verbrechen vorgeworfen, unter anderem Terrorismus und Verstöße gegen das Urheberrecht, und die Freischaltung ist nur ab einer Gebühr von 100 Euro möglich. Was tun? 

Wir sind das Wahlpflichtfach Informatik und in den kommenden Monaten werden wir ihnen helfen dieses und ähnliche Probleme zu beheben und allgemeine Tipps zur Sicherheit geben. Die Themen unserer Artikel werden sich von Passwortsicherheit und allgemeinem Virenschutz bis hin zu Sicherheit am Arbeitsplatz und in sozialen Netzwerken erstrecken.

Aber zurück zu unserem Problem. Wie man vielleicht schon vermutet hat handelt es sich hier nicht um eine Aktion der Bundespolizei, sondern um einen Virus. Das Wichtigste hierbei: Geraten Sie nicht in Panik! Der normale Lösungsansatz, einen Virenscanner das Problem lösen zu lassen, funktioniert in diesem Fall leider nicht, da man aufgrund des Virus nicht auf den Virenscanner zugreifen kann. Um dieses Problem zu umgehen gibt es drei Lösungsansätze, wobei wir Ihnen nahelegen im Zweifelsfalle einen erfahrenen Computernutzer zu Rate zu ziehen.

Erster Lösungsweg

Der erste Weg ist relativ einfach, aber man benötigt einen zweiten (nicht infizierten) PC und genügend Zeit dafür: Als Erstes laden Sie auf dem zweiten PC die Freeware Kaspersky WindowsUnlocker herunter (beispielsweise hier) und brennen diesen auf eine CD. Unter Windows 7 beispielsweise öffnen Sie dazu den Download-Ordner, rechtsklicken auf die heruntergeladene Datei und wählen „Datenträgerabbild brennen“, unter Windows XP brauchen Sie dafür ein Brennprogramm. Nachdem das Abbild erfolgreich auf die CD gebrannt wurde, legen Sie diese in den infizierten PC ein und führen einen Neustart durch. Dabei achten Sie auf die Optionen, die Ihnen beim Start angezeigt werden und drücken rechtzeitig auf die Taste für das „Bootmenü“ (kann bei Ihrem PC anders heißen) und wählen das CD-Laufwerk aus. Falls ihr Computer ihnen kein Bootmenü anbietet, navigieren Sie stattdessen ins BIOS und verändern dort die Boot-Reihenfolge so, dass ihr CD-Laufwerk zuerst gewählt wird. Sobald ihnen der türkise Kaspersky-Bildschirm angezeigt wird, drücken Sie eine beliebige Taste, wählen im nächsten Schritt die gewünschte Sprache, „lesen“ und akzeptieren die Lizenzbestimmungen und wählen den Grafikmodus aus. Hier wird Ihnen nun eine grafische Benutzeroberfläche angezeigt, mit der Sie den auf der CD enthaltenen Virenscanner bedienen können, es ist allerdings ratsam, zuerst ein Update der Virendefinitionen durchzuführen. Im Optimalfall entfernt der Virenscan den Virus automatisch, aber sicher ist sicher: Klicken Sie auf das weiße K auf blauem Hintergrund, das Äquivalent des Start-Knopfes in Windows, und wählen Sie „Terminal“. In das sich öffnenden Fenster tippen Sie einfach „windowsunlocker“ und bestätigen mit Enter. Von den Ihnen angebotenen Optionen drücken Sie die Taste [1] für „Windows freischalten“. Nachdem das Programm seine Arbeit verrichtet hat und das Fenster wieder auf eine Eingabe wartet, drücken Sie [0] um windowsunlocker zu beenden und geben den Befehl „exit“ ein um das Terminal-Fenster zu schließen. Nun können Sie noch den integrierten Dateimanager benutzen um auf ihre Daten zuzugreifen und ein Backup der wichtigsten Dateien durchführen, aber wenn alles gut gelaufen ist, sollte dies nicht nötig sein. Drücken Sie wieder auf den blauen Knopf mit dem K und wählen Sie „Herunterfahren“ und starten Sie den PC dann wieder. Wenn der PC wieder benutzbar ist, raten wir Ihnen zur Sicherheit einen Virenscan durchzuführen. Falls nicht ist dies nun der Zeitpunkt sich wirklich professionelle Hilfe zu holen.

Zweiter Lösungsweg

Der zweite Weg ist weniger zeitaufwändig, aber man kann auch leicht größeren Schaden anrichten, deshalb sollten Sie diesen nur wählen, wenn Sie wirklich wissen was Sie da tun. Starten Sie Windows dazu im Abgesicherten Modus und öffnen Sie den Explorer. In die Suchleiste geben Sie „*.exe“ ein und wählen die Sortierung nach Änderungsdatum. Finden Sie aus den jüngsten Dateien diejenige heraus, die den Virus enthält und löschen Sie diese. Wenn der Computer nach einem Neustart wieder benutzbar ist, sichern Sie ihre Daten auf ein externes Laufwerk.

Dritter Lösungsweg

Der dritte Weg ist relativ sicher, aber der gewünschte Effekt kann ausbleiben. Dazu starten Sie Windows im Abgesicherten Modus mit Eingabeaufforderung, warten, bis nur noch ein blinkender Balken sichtbar ist und tippen dann „rstrui.exe“ ein. Mit der sich öffnenden Systemwiederherstellung setzen Sie dann ihren Rechner auf einen früheren, hoffentlich infektionsfreien Zustand zurück.

Alle zuvor genannten Wege können zum Ziel führen, allerdings muss hier gesagt werden, dass der einzige Weg, bei dem man sich zu hundert Prozent sicher sein kann, dass das System nachher virenfrei ist, dieser ist, Windows komplett neu zu installieren (und dann sofort einen Virenschutz zu installieren).

 

Das Wahlpflichtfach Informatik